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Drei Faktoren, die Investoren trotz aller Inflationsangst nicht vergessen sollten

3 Aug, 2021

PEH Wertpapier AG

Drei Faktoren, die Investoren trotz aller Inflationsangst nicht vergessen sollten
Die Inflationsraten steigen in den USA und Europa weiter und machen Investoren nervös. Dabei lassen die hohen Teuerungsraten viele Investoren oft vergessen, dass es durchaus Gründe gibt, die die Inflation erklären. Welche Faktoren Anleger im Hinterkopf behalten sollten.

Wer Hiobsbotschaften rund um die Inflation sucht, der kann sie im Moment zur Genüge finden. So etwa in den USA. Der US-Verbraucherpreisindex stieg im Juni um ganze 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – und damit deutlich stärker als erwartet. Und: Die Inflation ist damit auf dem höchsten Stand seit dem August 2008. Zumal auch in Europa die Inflationsraten zuletzt über der angestrebten Zwei-Prozent-Marke lagen, in Deutschland war sie mit 2,5 Prozent im Mai so hoch wie seit fast zehn Jahren nicht mehr und lag auch im Juni noch bei 2,3 Prozent.

Die Kapitalmärkte und Investoren reagierten bereits im Mai mit Nervosität, teils mit Anspannung. Das Worst-Case-Szenario scheint real. Die Grundannahme dabei: Die Inflation steigt in Zukunft nachhaltig und stagniert auf hohem Niveau. Da aber die Ökonomie durch die Corona-Krise noch immer angeschlagen ist, können die Notenbanken nicht schnell mit höheren Zinsen gegensteuern – zu groß scheint das Risiko, dass Zinsbewegungen die Finanzierungsbedingungen angeschlagener Unternehmen drastisch verschlechtern und zu Pleitewellen sowie einer Rezession führen.

Das macht viele Investoren nervös, die Angst vor einer Stagflation wächst. „Das ist ja sozusagen die Überlegung, die man mit im Auge haben muss“, meinte auch Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, in einem Interview mit der Deutschen Welle. Sorgen machte sich Hüther aber nicht. Seine Argumentation ist, dass die Grundannahme einer nachhaltig hohen Inflation unwahrscheinlich ist: „Bisher – und das ist auch meine Einschätzung – überwiegt die, dass es ein vorübergehendes Phänomen ist, wir haben einen Nachruckeleffekt aus der Corona-Situation des vergangenen Jahres.“ Und in der Tat: Im Moment lassen sich die Inflationszahlen noch einigermaßen gut erklären.

 

1. Die Basiseffekte

Der erste Punkt für eine Gegenargumentation sind die schon vielzitierten Basiseffekte, die auch Hüther ins Feld führt: die CO2-Abgabe, steigende Ölpreise, die normalisierte Umsatzsteuer, gestörte Lieferketten. Sie alle würden sich derzeit in Europa nachweisbar auf die Preise auswirken und einen großen Teil der Teuerung erklären. Dazu kommt die wirtschaftliche Ausnahmesituation. „In der Coronakrise wurden weltweit die Produktionsketten unterbrochen und die Wirtschaft heruntergefahren – so eine Situation gab es zuletzt in den Weltkriegen. Der Rebound ist deswegen umso stärker und treibt im ersten Moment auch die Inflation“, erklärt Martin Stürner, Fondsmanager des PEH EMPIRE und Vorstand der PEH Wertpapier AG, die aktuellen Auswirkungen der Basiseffekte auf die Inflationszahlen.  

 

2. Die Konjunkturprogramme

Das Geldmengenwachstum, das durch die expansive Politik von EZB und FED ausgelöst wurde und häufig als Grund für höhere Inflationsraten genannt wird, muss differenziert betrachtet werden. In Europa gewährten die Regierungen Kredite und Garantien für Unternehmen, die die Inflation nur wenig nach bewegten. Anders war es in den USA: hier bekamen Haushalte Konsumchecks oder Steuererleichterungen, die die Inflation über einen angekurbelten Konsum direkt antreiben konnten. Die Konsumausgaben stiegen deshalb schon im März kräftig an, die Inflation zog dementsprechend nach. Und das erklärt laut diverser Analysten die für den Moment höheren Inflationsrate in den USA.

 

3. Überreaktion der Märkte

Seit Wochen steht die Teuerung im Fokus der Investoren. Studien zeigen aber auch, dass Kapitalmärkte auf manche Nachrichten mit Übertreibung reagieren. Das könnte auch bei der Inflation so sein. Die Zahlen für die Breakeven-Inflation jedenfalls, die sich aus der Differenz zwischen der Rendite einer nominalen und einer inflationsgebundenen Anleihe ergibt, zeigen nämlich, dass der Markt ab dem kommenden Jahr bis in zehn Jahren eine Inflationsrate von rund 2,50 Prozent für die USA einpreist. Gleichzeitig berechnen Ökonomen meist nur eine Inflationsrate von etwa zwei Prozent für den Zeitraum ab 2022 – viele Investoren könnten also einem Trugschluss aufgesessen sein und im Prognosedschungel die Inflation überbewerten. Das sieht auch Martin Stürner so. „Anleger sollten sich an den gegenwärtigen und wirklich messbaren Daten orientieren und nicht wegen Hypothesen die aktuelle Marktphase vergessen“, meint Stürner, der in seinem Fonds auf ein tagesaktuelles Bewertungssystem aus Mikro-, Makro- und Sentiment-Faktoren setzt.

 

Rückbesinnung benötigt

Das Szenario einer höheren Inflation und dann steigender Zinsen will IW-Direktor Hüther auch wegen der oben genannten Gründe nicht zu hoch hängen – selbst besser verzinste Staatsanleihen würden in diesem Szenario real noch immer Verluste einbringen. Kurzfristige Hauruck-Aktionen wegen der steigenden Inflation sieht Hüther kritisch. „Man kann das auch anders machen, man kann in Aktien gehen, man kann in Immobilien gehen. Man muss sich überlegen, dass man ein wirklich breites Portfolio hat, und man hat ja auch eigentlich lange Zeit im Leben“, sagte Hüther im Interview. Auch Stürner hält ebenfalls nicht viel von aktionistischen Investments. Trends würden sich erst materialisieren, wenn sie in den mikroökonomischen, makroökonomischen und Sentiment-Daten sichtbar werden. Und erst dann sei auch ein Eingriff angebracht: „Wenn die Märkte wirklich durch ein Inflations-Sentiment oder nachhaltige Inflationsdaten getrieben werden, dann wird das auch in den Indikatoren sichtbar. Dann können Investoren und ich als Fondsmanager reagieren – vorher sind Prognose- und Emotionsfreiheit sowie Flexibilität die wichtigsten Gebote.“