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Das Tapering steht vor der Tür: Drei Denkanstöße für Investoren

28 Sep, 2021

PEH Wertpapier AG

Das Tapering steht vor der Tür: Drei Denkanstöße für Investoren
Die Fed will die Zügel straffen und Anleihekäufe reduzieren. Das Tapering könnte in den USA bereits in diesem Jahr beginnen, die Europäische Zentralbank dann nachziehen. Eine Deutungshoheit über die Auswirkungen gibt es allerdings noch nicht. Hier kommen drei Denkanstöße zum Ende der Anleihekäufe.

Die Spatzen, so sagt man es ja gemeinhin, die pfiffen es schon lange von den Dächern. Wobei das Pfeifen der ganzen Aufregung rund um das mögliche Tapering in den USA nicht gerecht wird. Schon lange waren die Spekulationen deutlich mehr als nur ein Pfeifen vom Dach. Das war auch schon deutlich vor den klaren Worten klar, die der Chef der amerikanischen Notenbank, Jerome Powell, beim vielbeachteten Jackson-Hole-Symposium zum Tapering an die Öffentlichkeit richtete.

Mittlerweile gilt als ausgemacht, dass die US-Notenbank Fed am Ende dieses Jahres die Anleihekäufe reduziert, die zur Stützung der durch die Corona-Krise angeschlagenen Wirtschaft aufgesetzt worden waren. Das Tapering ist in aller Munde, die Unwägbarkeiten scheinen nicht nur für den Anleihemarkt, sondern auch für Investoren aller Assetklassen groß zu sein – drei Gedankenanstöße dazu.

 

Denkanstoß 1: Das Tapering ist Kopfsache

Das Taper Tantrum aus dem Jahre 2013 ist vielen Kapitalmarktteilnehmern in bitterer Erinnerung geblieben. Damals reagierten die Märkte heftig, als Fed-Chef Ben Bernanke ein Ende der Anleihekäufe in Betracht zog – letzteres ist nicht ungewöhnlich, wenn die Wirtschaft in Schwung kommt und eine Unterstützung nicht mehr nötig ist. Doch dass viele Investoren damals verschreckt reagierten, hing wohl auch mit der Plötzlichkeit von Bernankes Aussage zusammen.

2021 ist das Tapering auch ein Thema, die Herangehensweise der Fed war aber von Anfang an eine andere. Hinweis für Hinweis lieferte die Notenbank, stetig darauf bedacht, bloß keinen der ohnehin schon nervösen Kapitalmarktteilnehmer zu verschrecken. Der bekannte Fear & Greed Index rangierte bereits ab dem zweiten Quartal größtenteils im „Angstbereich“, der Volatilitäsindex Vix schoss bei Regungen der Fed in die Höhe. „Der psychologische Faktor spielte im Sommer fast eine größere Rolle als das, was eigentlich realwirtschaftlich oder an den Kapitalmärkten durch eine Reduzierung der Anleihekäufe passiert“, erklärt auch Martin Stürner, Vorstand der PEH Wertpapier AG und Fondsmanager des PEH EMPIRE.

Für den Fonds analysiert eine künstliche Intelligenz, welche Faktoren die Märkte bewegen. Diesen Sommer schlug der Score für das Sentiment aus und Stürner reduzierte vorsorglich die Aktienquote. Das Tapering – so scheint es – ist nach den Erfahrungen aus 2013 vor allem ein marktpsychologisches Ereignis, weniger eines auf makro- oder mikroökonomischer Ebene. Das mag auch damit zusammenhängen, dass Investoren eine Verbindung zwischen Tapering und Zinserhöhungen herstellen – auch wenn Powell das immer negierte.

 

Denkanstoß 2: Der Trend nach dem Tapering ist nicht klar

Spannend ist die Frage, was nach dem Tapering kommt. Eigentlich ist die Argumentation klar: Durch das Wegfallen eines großen Anleihekäufers – in diesem Fall der Fed – sinken die Preise der Anleihen und die Renditen steigen. Ob das allerdings wirklich so kommt, ist nicht ausgemacht. Ein Blick in die Historie der zehnjährigen Treasuries zeigt nämlich, dass mit dem Ende einer Quantitative-Easing-Periode und damit mit dem von Anleihekäufen die Renditen eher fielen – und so das genaue Gegenteil eintrat als die erste Überlegung vielleicht vermuten lässt. Zu erkennen war das Phänomen etwa im Jahr 2010 nach dem ersten oder Mitte 2011 nach dem zweiten Quantitative Easing. Ende 2014 fiel die Rendite ebenfalls, allerdings wurde nun das dritte Quantitative Easing nach den Erfahrungen mit dem Taper Tantrum vorsichtig und Stück für Stück zurückgefahren.

Ein Erklärungsansatz für diese kontraintuitive Wirkung sind möglicherweise einige gegenläufige Effekte, die das Wegfallen der Fed und damit des großen Käufers überkompensieren – das jedenfalls legt ein Kommentar eines Asset-Managers für institutionelle Investmentlösungen nahe. So könnte ein fallendes Emissionsvolumen die Renditen drücken. Schließlich antizipieren Anleiheemittenten die sinkende Nachfrage, zeitgleich ist der Finanzierungsbedarf in einem wirtschaftlichen Aufschwung, der ja Voraussetzung für das Tapering ist, nicht mehr so hoch. Gleichzeitig ist ein Substitutionseffekt möglich, der Gelder aus anderen Assets freisetzt, die Bonds begehrter macht und die Renditen drückt. „Wie diese Effekte wirken, ist nicht oder nur schwer prognostizierbar. Deswegen ist es wichtig, dass eine Geldanlage prognosefrei funktioniert und flexibel auf veränderte Situationen umgestellt werden kann“, meint Stürner.

 

Denkanstoß 3: Große Unternehmen gegen großes Ungemach

Was auch immer mit dem Tapering und der vielleicht folgenden Zinserhöhung kommt – die größten Unternehmen am Aktienmarkt sieht Stürner auf Fundamentalebene gut gewappnet. „Der Finanzierungsbedarf bei Large Caps ist nicht besonders hoch, Anleihen oder Kredite spielen nicht so eine große Rolle wie bei den Small Caps. Die Geschäftsmodelle sind weniger zinssensitiv“, erklärt er. „Unternehmen mit einer guten Cash-Quote und einem bewährten Geschäftsmodell können solche Szenarien deshalb gut wegstecken.“

Aus diesem Grund setzt Stürner auch im PEH EMPIRE auf die größten börsennotierten Unternehmen. Zusätzlich lassen sich deren Aktien schnell und leicht über Index-Futures absichern, falls die Kurse trotzdem fallen. „Neben den Fundamentaldaten sind die Makro- und Sentiment-Faktoren entscheidend für die Aktienmärkte. Wir analysieren mit unserer künstlichen Intelligenz deswegen diese drei Scores, um herauszufinden, welcher von ihnen gerade die Märkte bewegt“, erklärt Stürner, der das Tapering für Investoren als nicht unbedingt gefährlich einschätzt, sofern sie eine flexible Strategie besitzen.