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Anleger-Angst vor Inflation und Zins-Comeback? Warum ein zweiter Blick lohnt

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Kaum drohen steigende Zinsen und Inflation, machen sich Aktieninvestoren Sorgen. Zwar sind die Entwicklungen unbestreitbar, viele Investoren sollten aber einen Schritt weiterdenken. Warum der genaue Blick auf Makro-, Mikro- und Sentiment-Daten nicht nur in der aktuellen Situation lohnt.

Zu Beginn des Jahres gerieten die Aktienmärkte kurzzeitig ins Stottern. Nun ist es wieder soweit. Nicht ausgebremst von der plötzlichen Erkenntnis, dass die Schäden der Coronakrise doch enorm sind oder dass viele Bewertungen längst aus den alten Rahmen ausgebrochen sind, sondern ausgebremst von zwei Ängsten, die Investoren wohl naturgemäß immer umtreiben. „Massive fiskalische und geldpolitische Stimulierungsprogramme in den USA und anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften heizen die Debatte darüber an, ob eine höhere Inflation vor der Tür stehen könnte“, stellte etwa Kenneth Rogoff, Professor an der Harvard University, in einem Meinungsbeitrag fest.

Und der Blick auf die Daten zeigt in der Tat Entwicklungen, die viele Investoren spätestens seit der Coronakrise nicht mehr in dieser Dimension erlebt hatten. Das beste Beispiel lässt sich an der 10-Jahres-Breakeven-Inflation-Rate ablesen, die einen guten Hinweis auf die Inflations-Antizipation des US-Marktes liefert. In ihr werden die Renditen von normalen 10-Jahres-Treasuries gegenüber Renditen von Inflation Linked Securities gestellt, die die gleiche Duration besitzen. Aus der Differenz ergibt sich dann das Maß für die Inflationsrate, das der Markt auf die Inflation Linked Securities aufrechnet.

Wird Inflation real?

Seit dem Einbruch in der Coronakrise macht sich die Rate stetig auf den Weg nach oben – und hat inzwischen die 2,5-Prozent-Marke übertroffen. Auch in Deutschland und Europa halten einige Ökonomen Inflationsraten von über 2,0 Prozent für realistisch. Das schürt Ängste. Zwar rechnen Experten wie Rogoff damit, dass die Inflationsgefahr in der kurzen Frist etwas zu überambitioniert bewertet wird, Rogoff warnt aber auch: „Vor diesem Hintergrund könnte sich das reale Inflationsrisiko materialisieren, wenn sowohl die Unabhängigkeit der Zentralbanken als auch die Globalisierung ins Wanken geraten.“

Was eine steigende Inflation in den USA – trotz des angepassten Umgangs der FED mit der Rate – auslösen kann und könnte, skizzierte auch Rogoff: „Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen und Hypothekenzinsen steigen bereits in der Erwartung, dass die US-Notenbank – de facto die globale Zentralbank – gezwungen sein wird, die Zinsen zu erhöhen, was zum Platzen von Vermögenspreisblasen auf der ganzen Welt führen könnte.“ So stieg die Constant Maturity Rate für 10-Jahres-Treasuries, die als Indikator für die Entwicklung der Staatsanleihen dient, ebenfalls stark an und stagnierte zuletzt.

Auch in Deutschland geht das Szenario steigender Inflation und anziehender Zinsen trotz der zwischenzeitlichen DAX-Höchststände vielen Investoren nicht aus dem Kopf. Martin Stürner, Fondsmanager des PEH EMPIRE, stellt in den Sentiment-Daten seines quantitativen Modells fest, dass viele Investoren wegen der steigenden Treasury-Renditen bisherige Gewinne des Aktienmarktes verkauften. „Vielleicht waren einige Investoren dabei aber zu voreilig“, meint Stürner. Denn die Kurzschlusshandlung vieler Investoren, die bei steigender Inflation und höheren Zinsen fast selbstverständlich den Aktienmarkt etwas mehr untergewichten, war in den vergangenen Jahren nicht unbedingt die richtige Wahl. Die Inflation selbst macht Sachwerten wie Aktien schließlich eher weniger aus, der springende Punkt für viele Investoren ist allerdings eher die befürchtete Zinsentwicklung – aber selbst deren Wirken steht nicht unbedingt fest. „Die Korrelation zwischen Zinsentwicklung und Aktienmarkt ist prinzipiell dynamisch“, erklärt Stürner und ergänzt: „Zuletzt waren steigende Zinsen und steigende Aktien nicht unbedingt ein Widerspruch.“

Glaube statt Daten

Schon 2018 hatte die Korrelation zwischen den beiden Größen sich der Nulllinie angenähert, stellten etwa Analysten der Berenberg Bank fest. In den Jahren zuvor verliefen die Entwicklungen invers zueinander. Während in der Coronakrise die Korrelation auf Jahressicht wieder ins Negative sackte, ist sie seitdem wieder Richtung Nulllinie unterwegs. Kurzfristigere Korrelationseffizienten rangierten sogar teilweise schon im positiven Bereich. Zwar sind steigende Renditen und Inflationserwartungen unbestreitbar, die Auswirkungen sind aber nicht in Stein gemeißelt. Dass die Märkte trotzdem schon reagierten, erklärt Stürner anders.

„Die Märkte werden eben auch von Sentiment-Faktoren beeinflusst, nicht nur von Mikro- oder Makro-Daten“, erläutert Stürner. Die Trennung der Einflussfaktoren und ihre dezidierte Bewertung helfe extrem, um vorschnelle Schlüsse zu vermeiden – und um trotzdem flexibel zu bleiben. Die zwischenzeitliche Angst der Investoren vor Inflation und Zinsen sei dafür ein gutes Beispiel: „Die Scores in unserem Algorithmus zeigten zu Beginn des Jahres an, dass die Marktbewegungen vor allem durch das Sentiment getrieben wurden. Die Makro- und Mikro-Daten haben diese Bewegung aber bisher nicht unterstützt.“ Ähnliches ließ sich auch bei der zwischenzeitlichen Rotation von Growth in Value feststellen, bei der ebenfalls das Sentiment die Börsen bewegte, die Unternehmensdaten diese Bewegung aber (noch) nicht unterstützten.

Für Stürner, dessen Asset-Allokation ohnehin durch den Algorithmus bestimmt wird, bedeutet das: Füße still halten. Sollten tatsächlich einschneidende Ereignisse und nachhaltige Rotationen bevorstehen, dürfte sich das in seinen Daten widerspiegeln.

Quelle: CAPinside

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