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Branchenrotation am Aktienmarkt: Ein Spiel mit dem Feuer

Branchenrotation am Aktienmarkt: Ein Spiel mit dem Feuer

Dezember 15, 2020

PEH Wertpapier AG

Branchenrotation am Aktienmarkt: Ein Spiel mit dem Feuer

Fluglinien, Konsumunternehmen und Reiseveranstalter: Durch die immer näher rückenden Massenimpfungen hoff Anleger auf eine Normalisierung und favorisiert nun die in der Krise abgestraften Aktien bestimmter Branchen. Doch hinter der Sektorrotation verbergen sich Risiken.

Plötzlich heben selbst die Fluglinien wieder ab: Die Aktien von Lufthansa & Co kannten nach den positiven Nachrichten um die Wirksamkeit von potenziellen Impfstoffen gegen das Coronavirus kein Halten mehr. Ähnlich erging es den Wertpapieren von anderen Unternehmen aus Branchen, die von den Lockdowns in der Pandemie besonders getroffen wurden: Tourismus und Reisen, zyklische Sektoren wie die Industrie und sogar Banken.

„Solch althergebrachten Unternehmen haben durch den Impfstoff eine relativ starke Erholung erfahren. Offensichtlich war es ein Aufleben und ein Comeback von Value-Aktien“, meint auch Martin Stürner, Vorstand bei der PEH Wertpapier AG und Fondsmanager des PEH EMPIRE. Doch nicht nur von einem Corona-Comeback oder einem ersten Aufleben wird mit Blick auf die Bewegungen gesprochen, sondern auch von einer Sektorrotation. Und das verstärkt auch die Nachfrage nach entsprechenden Branchenfonds.

Branchen als Chance – oder Risiko?

Die Daten aus dem CAPinside-Trend im November etwa zeigen, dass zum Beispiel Branchenfonds mit dem Fokus Finanzdienstleistungen massive Zuflüsse erhielten, nachdem die ersten Daten zur Wirksamkeit der Corona-Impfstoffe öffentlich wurden. Ähnliche Bewegungen waren auch bei weiteren  Branchenfonds zu beobachten, etwa bei Konsum oder anderen zyklischen Branchen. Offensichtlich erachten Investoren entsprechende Sektoren wieder als attraktiv genug und kaufen sie deshalb in die Portfolios ein.

Dass überhaupt die Möglichkeit von solchen Brancheninvestments besteht, liegt auch an der stetig wachsenden Zahl von Branchenfonds. Auch durch günstige ETFs gibt es inzwischen genug Angebote, konzentriert in einzelne Sektoren zu investieren. Das kann Vorteile bringen – birgt aber auch die Klumpenrisiken der einzelnen Bereiche. Schmerzlich bewusst wurde das Anlegern in der Dotcom-Krise, als auf den Internetsektor fokussierte Fonds herbe Verluste hinnehmen mussten.

Solche Gefahren sieht jetzt auch Stürner. Er setzt bei seinem PEH EMPIRE auf eine umfangreichere Analyse und verlässt sich nicht auf branchenspezifische Investments. Passend zu den jüngst gefragten Fonds mit dem Fokus Finanzdienstleistungen argumentiert Stürner für eine rationalere Betrachtung der Unternehmen: „Wenn Corona weg ist, sind beispielsweise die strukturellen Probleme der Banken nicht gelöst.“ Die jüngsten Kursgewinne hält Stürner deswegen für einen kurzfristigen Effekt.

Keine Erholungsgarantie

Denn in seinem PEH EMPIRE setzt Stürner auf einen quantitativen Investmentansatz, der tausende Daten von den internationalen Märkten und Börsen auswertet und in Makro-, Mikro- und Sentiment-Scores gewichtet. Die einzelnen Indikatoren können so ein umfassendes Bild zu der Marktsituation von entsprechenden Aktien geben. Auch im Fall der Bankenaktien: „Wenn sich bei den Banken eine nachhaltige Verbesserung ergeben würde, dann könnten wir das aufgrund der positiveren Mikro-Daten sehen. Aktuell ist es aber so, dass die Mikro-Daten vieler Unternehmen noch nicht gut sind und sich noch nicht erholt haben“, erklärt Stürner seine derzeitige Haltung gegenüber strukturell schwachen Branchen.

Das Score-Modell betrachtet die einzelnen Unternehmen deswegen nicht danach, welcher Branche sie angehören, sondern wie aktienspezifischen Chancen aussehen. Im Moment landen deswegen viele Unternehmen aus dem Tech- und Internetbereich im Portfolio, Grund dafür sei ihre derzeitige Resilienz trotz Corona und Krise, die sich dann im Score-Modell niederschlägt. Die Erholung gesamter Branchen sehen Stürner und die künstliche Intelligenz hinter dem PEH EMPIRE deswegen kritisch: „Die Frage ist, ob die Branchen, die vor Corona schon strukturelle Probleme hatten, überhaupt wieder auf die Kurslevel kommen, die sie vor Corona hatten.“

 

Quelle: CAPinside