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Ist die Börse entkoppelt oder nicht? Ist doch ganz egal!

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Seit Monaten rätseln Anleger, Experten und Emittenten, ob der Markt jetzt entkoppelt ist oder nicht. Und die Diskussionen reißen aufgrund der zwischenzeitlich neuen Höchststände an den Börsen nicht ab. Doch eine Frage wird zu selten gestellt: Warum diskutiert die Finanzbranche das überhaupt?

Martin Stürner ist, sofern denn nötig, ein Mann der klaren Worte. Wenn er die Notwendigkeit einer Positionierung sieht, dann setzt er sie auch um. Im CAPinside-Erfolgsformat „Stürner Spontan“ machte der PEH-Wertpapier-Vorstandsvorsitzende zuletzt von seinen deutlichen Worten Gebrauch: „Meine Aussage ist ganz klar: Die Märkte sind nicht entkoppelt.“

In den letzten Wochen stieß Stürner mit dieser Agenda auf viel Skepsis. Die Makro-Daten lagen vielen Marktteilnehmern und Investoren einfach zu schwer im Magen. Und eine knapp zehn Prozent schrumpfende deutsche Wirtschaft – das gibt auch Stürner zu – ist in der Tat schwer verdaulich. Den Makro-Daten gegenüber steht ein Dax, der zwischenzeitlich an seinem Allzeithoch kratzte und auch sonst haussieren überall auf der Welt die Aktienmärkte, die nach dem Corona-Crash schon wieder gut dastehen. Einen kleinen Abschwung erlebte der Markt dann am vergangenen Donnerstag, als vor allem die Tech-Aktien kurzfristig von der Realität eingeholt wurden. An der Diskussion ändert das aber wohl nichts.

Skepsis und Erklärungsversuche

Denn auch international ebbt die Debatte um die Entkoppelung der Märkte deswegen nicht ab. „Wir haben bereits eine Art V-förmige Erholung an den Finanzmärkten erlebt. Ich glaube, dass es eine leichte Diskrepanz zwischen der Realwirtschaft und den Finanzmärkten gibt“, kommentierte etwa Trond Grande, CEO des legendären norwegischen Staatsfonds, die Entwicklung von Märkten und Wirtschaft. Auch Star-Investor Warren Buffett hielt die Füße in der Markterholung ungewöhnlich still und warnte vor der schwierigen Lage an den Aktienmärkten.

Für die Börsenrally argumentierten viele Investoren mit dem Hinweis, dass die Märkte eben die zukünftige und erwartete Entwicklung der Wirtschaft widerspiegeln würden. Wenn der Markt eine deutlich bessere Lage in ein oder zwei Jahren erwarte, dann seien dementsprechend auch die Höchststände bei einigen Indizes gerechtfertigt.

Und Stürner? Der mahnt zur Differenzierung. Letztlich gehe es nicht um Diskussionen über die Zukunft und die konjunkturelle Entwicklung. „Wer nur auf die Makro-Daten setzt, ist im Moment nicht genug am Markt investiert.“ So seien einige Fondsanbieter mit konjunkturellem Fokus derzeit mit einer Aktienquote von nur 20 oder 30 Prozent investiert, dementsprechend gestaltet sich dann auch die Jahresrendite. Von der Aufholrally nach dem Corona-Crash konnten Makro-Strategien nicht profitieren – von der Diskussion darüber aber erst recht nicht.

Nicht hadern, sondern handeln

Die Meinung zur Entkoppelung der Märkte ist deswegen die eine Sache, der Umgang mit dieser Erkenntnis noch eine andere. „Wenn auch wir nur nach Makro-Daten gehen würden, dürften wir gar nicht investiert sein. Die sehen alle katastrophal aus und erholen sich nur langsam“, erklärt Stürner auch mit Blick auf den hauseigenen Fonds namens PEH EMPIRE. In ihm betrachten Stürner und Kollegen eben nicht nur die Makro-Daten, sondern auch die Mikro- und Sentiment-Daten. Je nach Marktphase sei einer der drei Faktoren entscheidend für die Entwicklung der Märkte.

Die Künstliche Intelligenz hinter dem Fondskonzept gibt ein Signal, welcher der Faktoren gerade dominiert. Seit dem Crash durch Corona ist der Sentiment-Score ausschlaggebend für die Investments des PEH EMPIRE. „Ohne das Signal hätten wir nach dem März und den katastrophalen Daten den Wiedereintritt in den Markt ja gar nicht geschafft. Dann würden wir jetzt immer noch auf bessere Makro-Daten warten“, erklärt Stürner.

Weitere wichtige Erkenntnisse zieht das Team um Stürner aus den Signalen auf Unternehmensebene. Denn auch hier sei die einfache Diskussion um entkoppelte Märkte nicht ausreichend: „Bei den Mikro-Daten ergibt sich ein heterogenes Bild, weil es Branchen wie Technologie oder Healthcare gibt, die einfach auch in der Krise funktionieren.“ Die Mikro-Daten sind auch im Portfolio des PEH EMPIRE wiederzuerkennen, wo besonders Technologie-Aktien wie Microsoft, Alphabet und Apple dominieren. Gleichzeitig finden sich mit Merck & Co sowie Medtronic auch Wertpapiere aus dem Medizinbereich wieder.

Der Markt ist unbezwingbar

Wichtig ist für Stürner, dass der Fonds überhaupt investiert ist: „Wir müssen nun mal auf die Gegebenheiten des Marktes reagieren – auch wenn wir eine vollkommen andere Meinung haben.“ Sollte noch eine schärfere Korrektur kommen oder die Rally eben doch weitergehen, helfe auch die kritischste Auseinandersetzung nicht bei der Portfolioallokation. Den Markt beeinflussen könne sowieso niemand. Wichtiger ist die richtige Reaktion auf die unbeeinflussbaren Gegebenheiten, erklärt Stürner: „Wir sind mit der Strategie durch zwei Crashs gegangen. Wichtig ist: Der Algorithmus erkennt sehr schnell und gut in beide Richtungen, wenn sich etwas ändert.“

Bei aller Diskussion um die Sinnhaftigkeit der Marktbewegungen – als Asset-Manager und Vermögensverwalter müssen Leute wie Martin Stürner sich den Gegebenheiten anpassen. Ihre Aufgabe ist schließlich passende Investments für ihre Kunden. „Wenn unsere Signale positiv sind, gehen wir in den Markt. Wenn unsere Signale negativ sind, gehen wir aus dem Markt – und diskutieren nicht, ob die jeweilige Marktbewegung gerechtfertigt ist“, fasst Stürner zusammen und bemüht dafür einmal mehr seine klaren Worte.

Quelle: CAPinside

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