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Crashpropheten nach dem Corona-Crash: kein Aufgeben, aber keine Rendite

Crashpropheten nach dem Corona-Crash: kein Aufgeben, aber keine Rendite

März 8, 2021

PEH Wertpapier AG

Crashpropheten nach dem Corona-Crash: kein Aufgeben, aber keine Rendite

Die Corona-Pandemie hat ökonomisch enorme und historische Schäden angerichtet. Der ganz große Einbruch war das aber noch nicht – jedenfalls nicht, wenn den Crashpropheten Glauben geschenkt wird. Warum ihre Erzählweise bisweilen logisch ist – und ihre Fonds trotzdem nicht funktionieren können.

Eigentlich hätte das Jahr 2020 und die Corona-Pandemie genau das werden können, auf das die steigende Zahl der Crashpropheten schon seit Jahren hinpredigen. Schließlich erklärten etwa zwei Bestseller-Autoren noch in einem Interview Mitte 2019: „Bis spätestens 2023 kommt der Big Bang. Die Risiken sind jedoch hoch, dass es bereits innerhalb der nächsten zwei Jahre knallt. Uns erwartet der schlimmste Crash aller Zeiten.“

Und der – das ist klar – dürfte dann natürlich fatal für alle sein. Beispielsweise würden auch die Crashpropheten leiden, die ja bereits seit etlichen Jahren ihr Geld mit Büchern verdienen, die den „größten Crash aller Zeiten“ beschwören. Würde das alles eintreten, wäre ihr Werk getan. Wie durch ein Wunder löste dann aber selbst die historische Corona-Krise den laut Crashpropheten schon so lange überfälligen Mega-Einbruch noch nicht aus. „Das große Finale kommt erst noch”, prophezeite einer von ihnen deshalb schon im Sommer des vergangenen Jahres, als sich Finanzmärkte schon erholten und auch viele Unternehmen einigermaßen aufatmeten. Auch die Propheten dürften aufgrund ihrer verlängerten Daseinsberechtigung erleichtert gewesen sein.

Immerhin – die Crashpropheten sagen den Untergang in den von ihnen vertriebenen Büchern nicht nur vorher voraus, sondern vertreiben auch gleich eine Lösung für die von ihnen exklusiv aufgedeckten Probleme. Das Ziel dieser Strategien ist größtenteils die Vermeidung des Vermögensverlustes, den ihre Initiatoren seit Jahren vorhersagen. Zumindest der Vermögenserhalt ist dabei ja auch ein durchaus ehrenwertes Ziel, eine Vergrößerung des Vermögens umso mehr. Einen Haken hat die Sache aber doch, meint Fondsmanager Martin Stürner, Vorstand der PEH Wertpapier AG: „Vermögenserhalt und -vermehrung ist nicht nur in Zeiten des schlimmsten Crashes wichtig, sondern auch in den Phasen davor und danach.“

Angst als Ansprache

Dass die Crashpropheten trotzdem das Crash- und Angst-Muster bedienen, ist zwar wenig ruhmreich, dafür aber irgendwie schon logisch – weil sie damit die Urinstinkte der Menschen bedienen. „Bei drohenden finanziellen Verlusten lassen sich Veränderungen in der gleichen Hirnregion feststellen, in der wir auch auf allgemeine Gefahren reagieren“, erklärt der Psychologe Arnold Kitzmann in seinem Buch „Massenpsychologie und Börse“. Kitzmann ergänzt: „Unser Gehirn sucht ständig nach Mustern und Regelmäßigkeiten, es übersieht dabei aber sehr schnell, dass wir es gelegentlich mit überkomplexen oder zufälligen Situationen zu tun haben.“ Die würden in Ausnahmesituationen aber auftreten – und würden unter anderem dafür sorgen, dass Investoren lieber auf vermeintlich Sicheres setzen.


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Die Sicherheit versprechen Crashpropheten auch in ihren Fonds. Wie der CAPinside-Fondsvergleich zeigt, schafft das aber keiner der besagten Strategien langfristig. Besonders viele Probleme hatte der Dirk Müller Premium Aktien, der auf längere Sicht immer eine negative Performance ablieferte. Zwar verspricht der ehemalige Händler an der Deutschen Börse in dem von ihm beratenen Aktienfonds „mittel- bis langfristig überdurchschnittliches Kapitalwachstum durch Partizipation an den globalen Aktienmärkten“ – das Produkt blieb das aber bisher schuldig. Immerhin: Während die Aktienmärkte in der Corona-Krise abstürzten, blieb der Fonds stabil und steigerte sogar kurz seinen Wert. Das liegt an den Absicherungsmechanismen, die im Crash zwar griffen, langfristig durch ihre hohen Kosten aber jegliche Rendite fressen. Als die Aktienmärkte wieder nach oben liefen, stagnierte und verlor der Fonds wieder – und bescherte seinen Anlegern also im kleinen Moment des Crashes Sicherheit und im großen restlichen Zyklus Verluste. 

Schon allein die durchschnittliche Länge und Performance der Bullen- und Bärenmärkte zeigt, dass die Crashpropheten mit ihrer Strategie langfristig nicht erfolgreich sein können. So untersuchte Invesco die historische Performance des S&P 500 von 1957 bis zum Anfang des Corona-Jahres 2020. Durchschnittlich dauerte ein Bullenmarkt über 1700 Tage und brachte eine Performance von knapp 160 Prozent ein, während die Bärenmärkte rund ein Jahr alt werden und „nur“ Verluste von 33 Prozent einbringen. Ein Verpassen der Bullenmärkte ist damit schmerzhafter als Verluste in Bärenmärkten – laut der Analysten werden die Effekte der Marktvolatilität langfristig dadurch minimiert.

Crashvorsorge geht auch anders

Trotzdem soll auch der SOLIT Wertefonds, der vom Crash vorhersagenden Buchautoren Marc Friedrich beraten wird, in Krisenzeiten und beim Zusammenbruch der Finanzsysteme stabil bleiben. „Die Vergangenheit zeigt deutlich, dass sich in wirtschaftlich turbulenten Zeiten Sachwerte immer besser entwickelt haben als Papierwerte“, erklärt Friedrich auf der Website. Er legt also ebenfalls den Fokus auf den kurzen Moment des Crashs – und blendet die restliche Zeit aus. Damit rutschte der Fonds etwa in den Jahren 2017 und 2018 deutlich ab, während die Aktienmärkte gewannen. Und auch in der Coronakrise brach die Performance des Wertefonds deutlich ein, wenn auch gedämpft. Die verpassten Marktgewinne dürften Langfristinvestoren dennoch ärgern. Der einzige Fonds der Crash-Propheten, der es einigermaßen mit den Durchschnittsgewinnen der Aktienmärkte aufnehmen kann, ist noch der Max Otte Vermögensbildungsfonds.

„Der Markt besteht eben nicht nur aus Crashs, sie sind nur ein kleiner Teil des Zyklus‘“, erklärt Stürner, der zwar im eigenen Fonds PEH EMPIRE auch auf Vermögenserhalt setzt, dafür aber auch die Hochphasen der Märkte bespielen will. So würden Ängste bei Investoren oder kräftige Verluste in Krisen, wie sie etwa in den großen Indizes letztes Jahr auftraten, vermieden werden, gleichzeitig aber eine überdurchschnittliche Rendite in guten Marktphasen erreicht werden. „Wenn dann ein Crash kommt, haben wir trotzdem einen Sicherungsmechanismus, der den Vermögenserhalt stützt “, meint Stürner.

 

 

Quelle: CAPinside